Bleibe ich beim Öl und welche konkurrierenden“ Alternativen bieten sich schon jetzt und künftig an?

Zu einem Informationsabend hatte die Fachgemeinschaft Ölwärme & Service Main-Kinzig-Kreis am 30.09.2010 in das Bürgerhaus nach Wächtersbach eingeladen.

Über 30 Hausbesitzer sind der Einladung gefolgt. Mit Spannung haben die Gäste den Ausführungen vom Vortragsreferent Dirk Engelmann (Institut für wirtschaftliche Ölheizung e.V.) gefolgt. Engelmann ging intensiv auf die aktuellen Themen ein und warf insbesondere ein Blick auf die Reserven und Ressourcen der weltweiten Ölvorkommen. Für die nächsten Generationen ist die Versorgung mit dem flüssigen Energieträger gesichert, jedoch ist schon heute eine Beimischung von biogenen Anteilen (z. B. Rapsöl) möglich, ohne dass der Heizungsanlagenbetreiber eine neue Technologie einsetzen und investieren muss. Bevor jedoch Bioanteile im Heizöl Verwendung finden, stellt sich die Frage nach der Effizienz der bestehenden Heizungsanlage. Engelmann verwies auf den Energieberater Frank Scharfenberg, der im Anschluss an seinen Vortrag, recherchierte, wie viel der eingesetzten Energie auf Grund veralteter Technik verloren geht. Im nächsten Part ging es um die modernste und zugleich effizienteste Art, Wärme aus flüssiger Energie zu produzieren: Öl-Brennwerttechnik ist Stand der Technik. Die vergleichsweise heißen Abgase von etwa 160 Grad bei den weit verbreiteten Niedertemperaturkesseln, werden bei Brennwerttechnik mittels einem Wärmetauscher auf rund 40 Grad herunter gekühlt und so als zusätzlicher Wärmegewinn dem Heizsystem zugeführt. Der Betreiber spart so in etwa rund zusätzlich 10 % Energie ein. Weitere Einsparungen lassen sich durch den Einsatz von Solarthermie erreichen. Engelmann stellte in Schaubildern dar, dass sogar eine heizungsunterstützende Variante im  Anlagenbestand sehr gute Einsparungsergebnisse bieten kann. Das Herzstück einer solchen Anlage stellt ein ausreichend groß dimensionierter Pufferspeicher dar. Die Sonne schreibt zwar keine Rechnung, um das zusätzliche Einsparpotenzial von etwa weiteren 10% zu erreichen, so wird jedoch auch eine recht hohe Investitionsbereitschaft vorausgesetzt um den Energiespeicher mit Sonnenenergie zu füllen. Zusätzlich und unabhängig von Wolken und schlechtem Wetter, kann ein Kaminofen mit integrierter Wassertasche ebenso einen erheblichen Beitrag leisten. Gegenüber den handelsüblichen Festbrennstoff-Öfen aus den Baumärkten, bietet der Fachbetrieb eine Lösung mit 70 / 30 Auslegung an, bei der der Ofen in etwa

30 % Wärme in den Raum abgibt und etwa 70 % in den Pufferspeicher einbringt. Eine solche Heizungsanlage kann als Hybridsystem bezeichnet werden, so Engelmann, der auf Parallelen in der Autoindustrie verwies. Die Beispiele und Möglichkeiten ließen kaum Fragen offen. Jedoch eine Wesentliche hat Frank Scharfenberg, Energieberater der DENA, übernommen: „…welche Einsparungen lassen sich rechnen und welche Maßnahmen bewirken welchen Vorteil. Damit ging Scharfenberg von der Theorie in die Praxis über und es fand sich zugleich ein Infoabend-Besucher, der seine Daten zur „offiziellen Energiesparanalyse“ mit gebracht hatte. Schnell hatte Scharfenberg den Rechner mit allen wesentlichen Daten gefüttert und erklärte zugleich Schritt für Schritt, wie die Software Berechnungen anstellt und zudem, wie die Ergebnisse zu bewerten sind. Innerhalb weniger Minuten staunte der Hausbesitzer nicht schlecht, als er sich an der Leinwand seinen eigenen Energieausweis anschauen konnte. Auf der farbigen Scala war sein Haus im orange/roten Bereich wieder zu finden. Anschließend nahm Scharfenberg Schritt für Schritt Modernisierungsmaßnahmen vor und präsentierte zugleich die erreichten Ergebnisse in konkreten Fakten. Aus den zunächst rund 15% Ersparnissen auf Grund der Annahme, der Heizkessel im Bestand wird gegen einen Brennwertkessel getauscht, wurden nach und nach bis zu 40% errechnet. Diese Werte sind ohne weiteres erreichbar, wenn neben modernster Heizgerätetechnik auch die Sonne neben Warmwasserbereitung auch heizungsunterstützend in das System integriert wird. Es fehlen aber immer noch ein paar Punkte um auf 40 % und mehr zu kommen. Dazu ist ein hydraulischer Abgleich, als auch der Tausch von einer ungeregelten durch eine geregelte Heizungspumpe unumgänglich. Scharfenberg verwies auf die Seite im Netz: www.iwo.de wo man sich sogar einen Video anschauen kann, der sehr anschaulich darstellt, welcher Nutzen sich dahinter verbirgt. Vereinfacht erklärt bedeutet der hydraulische Abgleich nichts anderes als das Einnivellieren der jeweiligen Wärmeabnehmer (Heizkörper und / oder Fußbodenheizung), so dass die Pumpenleistung nicht mehr konstant maximale Leistung erbringt, sondern mit in etwa 5 Watt den gleichen Dienst der Wärmeverteilung übernimmt. Engelmann ergänzte zum Verständnis und nutze als Vergleich das Auto. „…wie, als wenn man bei Vollgas mit angezogener Handbremse Auto fahren würde und nicht in der Lage ist, die Motorleistung zu drosseln. Die Kupplung treten und Beschleunigen, als auch Bremsen übernimmt die geregelte Pumpe vollautomatisch und verbraucht so anstatt rund 50 Watt nur noch 5 Watti“, so Engelmann. Oft müssen dazu jedoch Berechnungen vorgenommen werden und wenn nötig müssen  auch Ventile am Heizkörper durch justierbare Thermostatköpfe getauscht werden, erklärte Scharfenberg, der ein anschauliches Schnittmodell präsentierte. Als Fazit zog Scharfenberg Bilanz und verdeutlichte, dass es keine Alternative zum Energiesparen gäbe, will man als Hausbesitzer nicht steigenden Energiepreisen hilflos gegenüber stehen. Daraufhin kam die Diskussion auf, ob Dämmmaßnahmen am Haus nicht eine Alternative zum Heizkesseltausch sein könnten. Schnell waren auch hier die Daten gerechnet, das Ergebnis verdeutlichte sehr beeindruckend, dass bei 40% nicht das Ende der „Fahnenstange“ erreicht wird. Weitere rund 20 bis 25% lassen sich durch ganzheitliche Dämmmaßnahmen erzielen. Der Heizkesseltausch steht nicht im Wettbewerb zur Dämmung, aber in der Abwägung von Ausgaben und Nutzen bietet der Kesseltausch nach wie vor ein sehr schnelle „Rückvergütung“ in Form von nicht verbrauchter Energie. Waren es bisher bis zu rund 3200 Liter Heizöl, die für das typische Einfamilienhaus benötigt wurden, so können alle Maßnahmen zusammen, den Verbrauch drastisch reduzieren, so dass 1400 Liter / Jahr keine Utopie darstellen, sondern realistische Werte aus der Praxis wieder spiegeln. Auf der Internetseite www.oelheizung.info können interessierte Hausbesitzer gerne kostenlos und unverbindlich eine umfassende Energieberatung abrufen.

Nach etwa zwei anspruchvollen Stunden, waren die Teilnehmer recht erstaunt, welche Möglichkeiten sich schon heute bieten. In den seltensten Fällen rechnet sich ein Umstieg auf einen anderen Energieträger, fasste Energieberater Scharfenberg zusammen. „… Auch wenn die finanziellen Mittel begrenzt sind, ist doch gerade die Modernisierung Schritt für Schritt bei kaum einem System wie der Ölheizung so einfach und effizient machbar.“

Beifall bekamen die Referenten, als auch die Gastgeber,  die Fachgemeinschaft Main Kinzig, welche zu diesem Infoabend eingeladen hatte. „…keine Verkaufsveranstaltung, sondern eine rein sachliche Präsentation! Gut, dass ich hier war“, so einer von vielen Besuchern, die sich persönlich bei den Marktpartner aus Mineralölhandel, Heizungsbau und Tankschutz, als auch bei den Schornsteinfegern bedankten.

 

Artikel über den Abend
im Mittelhessenboten vom 06.10.2010

Energiesparcheck mit dem
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